Bernsteine
Einer der grundlegendsten Unterschiede zwischen Edelsteinen und Bernsteinen ist die Härte der Oberflächen. Während Edelsteine eine besonders große Härte aufweisen, erscheint der Bernstein eher weich und daher besonders leicht zu verarbeiten. Und auch im Material selbst gibt es einen entscheidende Unterschied zwischen Edelsteinen und Bernsteinen: Bernsteine entstanden vor Jahrmillionen von Jahren aus gehärtetem und konserviertem Harz, das an den Bäumen heraustrat. Es handelt sich deshalb um ein fossiles Material, das pflanzliche und tierische Einschlüsse enthalten kann und für die Erdgeschichte besonders ergiebig ist.
Neben den typischen hellgelb und rötlichen Farbtönen kann Bernstein orange, beinahe farblos und teilweise auch schwarz erscheinen. Das größte bekannte Bernsteinvorkommen der Erde befindet sich bei Kaliningrad (Königsberg). Dort wird der so genannte Baltische Bernstein, der Succinit, mit einer Bergbaufödermenge von ca. 500 t jährlich abgebaut. Die Vorkommen befinden sich an den Küstenabschnitten in 10 Metern Tiefe, im Binnenland findet sich das fossilisierte Material 30 Meter unter der Erde. Aufgrund der schwindenden Nachfrage wurde vor Jahren die Jahresfördermenge drastisch gesenkt, nachdem der Weltmarkt immer wieder von illegal abgebauten Bernsteinen überflutet wurde. Mittlerweile werden wieder jährlich bis zu 600 t des Baltischen Bernsteins abgebaut und verkauft. Schätzungen gehen jedoch von einem illegalen Abbau von bis zu einem Viertel der Gesamtfördermenge des Gebietes aus.
Wofür wird Bernstein verwendet? Das begehrte Material wird vor allem bei den Schmuckherstellern verwendet, um Halsketten, Ohrringe, Armbänder und Ringe anzufertigen. Aufgrund der besagten weichen Oberfläche besitzt das ausgehärtete Baumharz beste Weiterverarbeitungsmerkmale. Seit dem Mittelalter verwendet die katholische Kirche den als wertvoll hoch angesehenen Bernstein für das Fertigen von Gebets-Rosenkränzen. Sakrale Gegenstände wie Pokale, Kelche und Altarkreuze wurden ebenfalls aus Bernstein angefertigt.
Eines der wohl bekanntesten Beispiele für die Verwendung von Bernstein findet sich im so genannten Bernsteinzimmer wieder. Das als verschollen geltende Zimmer hatte der preußische König Friedrich I. in seinem Schloss in Berlin komplett mit Bernstein verkleiden lassen, sein Nachfolger schenkte es 1716 dem russischen Zaren. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es von den deutschen Invasionstruppen demontiert und nach Deutschland (Königsberg) geschickt. Dort verliert sich seine Spur. Forscher haben mittlerweile über hundert Standorte ausgemacht, an denen sich die wertvollen Wandverkleidungen ihrer Meinung nach befinden könnten.